Tipps für wissenschaftliche Arbeiten
Bei meinen wissenschaftlichen Lektoraten stelle ich immer wieder fest, dass Studierende von ihren Hochschulen nur wenige Informationen dazu bekommen, was beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten zu beachten ist und was den Schreibprozess erleichtert. Daher habe ich eine Sammlung nützlicher Tipps zusammengestellt, die Studierenden beim Schreiben ihrer Bachelor- oder Masterarbeit helfen sollen.
Fehlt etwas? Dann lass es mich wissen!
Übersicht der Tipps
Was bringt mir eine Formatvorlage?
Wenn du bei der Formatierung deiner Bachelor- oder Masterarbeit Zeit sprachen möchtest, lohnt es sich eine Formatvorlage anzulegen, bevor du mit dem Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit beginnst. In der Formatvorlage definierst du, wie Überschriften der unterschiedlichen Ebenen gestaltet sein sollen, du legst Seitenzahlen und Verzeichnisse an, legst fest, wie Grafiken und Tabellen beschriftet werden und kannst auch unterschiedliche Textformate wählen, wie z. B. Hervorhebungen, Abkürzungen oder Zitate. Der Vorteil bei der Arbeit mit Formatvorlagen ist, dass du Änderungen direkt in der Vorlage vornimmst und der Text automatisch angepasst wird. Außerdem kannst du auch Verzeichnisse so anlegen, dass neue Grafiken, Tabellen, Abkürzungen und Überschriften direkt übernommen werden. So sparst du Zeit und Nerven, da das Schreibprogramm vieles automatisch für dich erledigt.
Falls du dabei Unterstützung möchtest, schreib mich gerne an.
Wie strukturiere ich meine Arbeit sinnvoll?
Wissenschaftliche Arbeiten sind stets auf die gleiche Weise aufgebaut, daher solltest du dich bei deiner Master- oder Bachelorarbeit ebenfalls an diesen Aufbau halten. Die obligatorischen Punkte sind folgende:
- Deckblatt: Hier steht der Titel deiner Arbeit sowie wichtige Daten.
- Inhaltsverzeichnis
- weitere Verzeichnisse, falls nötig: Ab 3 Grafiken, Tabellen oder Abkürzungen wird dafür jeweils ein eigenes Verzeichnis erstellt.
- Einleitung: Hier stellst du Relevanz und Forschungsfrage deiner Arbeit vor.
- Theorieteil: In diesem werden wichtige Begriffe erklärt und für deine Forschung notwendige Inhalte vorgestellt.
- Methodik: In diesem Teil erklärst und begründest du das Vorgehen in deinem Forschungsteil.
- Ergebnisse: Hier stellst du ausschließlich dar, was deine Untersuchungen ergeben haben. Es gibt keine Interpretationen oder Bezüge zu anderer Literatur.
- Diskussion: In diesem Abschnitt stellst du deine Ergebnisse der im Theorieteil erläuterten Inhalte gegenüber. Außerdem weist du auf Limitationen deiner Untersuchung sowie mögliche ergänzende Forschungsvorhaben hin.
- Fazit: Im Fazit fasst du die wichtigsten Inhalte zusammen und beantwortest die Forschungsfrage. Hier gibt es keine neuen Inhalte.
- Literaturverzeichnis: Jede Quelle, die im Text auftaucht, muss im Literaturverzeichnis erscheinen und umgekehrt.
- Anhang: Verwendete Frage- oder Beobachtungsbögen, Visualisierungen von Ergebnissen usw. gehören vollständig in den Anhang.
Je nach Art der Arbeit können weitere Inhalte wie Forschungsstand oder Hypothesen hinzukommen. Außerdem kann eine Zusammenfassung oder ein Anhangsverzeichnis gefordert oder eine Danksagung ergänzt werden.
Wie formuliere ich eine passende Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage bildet den Kern deiner Arbeit und sollte daher gut überlegt und klar formuliert werden. Achte vor allem darauf, dass sie dein Forschungsvorhaben so eng wie möglich umschreibt. Ein Beispiel:
wie gehen Lehrkräfte mit heterogenen Klassen um?
ist als Forschungsfrage zu weit gefasst. Schreibe stattdessen konkreter:
welche Differenzierungsangebote setzen Lehrkräfte im Unterricht ein, um in leistungsheterogenen Klassen individuelle Förderung zu ermöglichen?
So hast du für den Theorieteil direkt für dich relevante Begriffe (Differenzierungsangebot, leistungsheterogen, individuelle Förderung) und kannst dich auf diese Inhalte begrenzen.
Wie gehe ich mit Fachbegriffen um?
Im Theorieteil deiner wissenschaftlichen Arbeit solltest du alle Begriffe, die in der Forschungsfrage auftauchen und für deine Untersuchung relevant sind, genau definieren. Stelle dabei unterschiedliche Verständnisse der Begriffe gegenüber und lege dich abschließend auf eine genau formulierte Definition fest. Dabei kannst du gerne Sätze formulieren wie:
In der vorliegenden Arbeit soll unter einer leistungsheterogenen Klasse eine Lerngruppe verstanden werden, die bei Leistungskontrollen überwiegend das gesamte Spektrum abdeckt, sodass es sowohl sehr leistungsstarke als auch sehr leistungsschwache Lernende gibt und sich auch Kinder im Mittelfeld bewegen.
Wie viele Belege brauche ich?
Häufig bekommt man zu den Belegen in wissenschaftlichen Arbeiten den Hinweis, dass jede Aussage belegt werden muss. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Satz mit einer Quellenangabe versehen werden sollte. Vielmehr muss bei jeder Bewertung deutlich erkennbar sein, woher sie stammt. Das kann Fachliteratur sein, die als Quellbeleg an den Anfang oder ans Ende der Ausführung, meist eines Absatzes, gehört. Das kann, insbesondere im empirischen Teil der Arbeit, aber auch ein Ergebnis deiner Forschung sein.
Wichtig bei Quellbelegen aus der Fachliteratur ist übrigens vor allem, dass sie aktuell und vielfältig sind. D. h., dass Kontroversen in der Fachdebatte auch in deiner Arbeit diskutiert und auf dem aktuellsten Forschungsstand beruhen sollten.